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Interview mit unserem Dompropst Dr. Müllejans |
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![]() Aachener Dompropst Dr. Müllejans Sie sind der Propst des Aachener
Doms. Können Sie uns Ihre Aufgaben, die Stellung und die Aufgaben des
Domkapitels erläutern? Seit dem Jahre 1988 führen Sie mit großem
Engagement die Initiative „Unser Dom braucht Hilfe“. Zum Kuratorium
der Stiftung Aachener Dom gehören Staatsoberhäupter aus ganze Europa.
Was sind die verbindenden Wertvorstellungen aus Ihrer Sicht? Latein war für viele Jahrhunderte die
Sprache der Theologie, der Wissenschaft und die liturgische Sprache im
Gottesdienst. Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zur lateinischen
Sprache? Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrem altsprachlichen
Unterricht während Ihrer Schülerzeit? Dr. Müllejans: Mein persönliches Verhältnis kommt zum Beispiel darin zum Ausdruck, daß ich Mitglied von PLL bin. Ich war bei einer Veranstaltung des Vereins dabei. Darin kommt also meine Grundeinstellung rüber. Es wäre jammerschade, wenn die klassischen alten Sprachen untergehen würden. Man sagt ja, der unmittelbare Nutzwert des Latein sei zweitrangig, ich begründe meine Einstellung zum Latein damit, daß ich die deutsche Sprache über die lateinische kennengelernt habe. Ich beherrsche die deutsche Grammatik perfekt dank des Lateinischen. Ich würde mir wünschen, daß viel Schwafelei heute so verhindert werden würde, indem man die Texte, ehe man sie publiziert, erst ins Lateinische übersetzen muß. Da kämen wir mit viel weniger viel besser aus. Das war also jetzt etwas humorvoll gesagt. Im übrigen ist unsere ganze Begriffswelt vom Lateinischen geprägt ist. Selbst die angelsächsischen Sprachen, die englische Sprache zumal, stammen zu mindestens 60 %, ich bin da kein Fachmann, aus dem Latein. Von den romanischen Sprachen ganz zu schweigen. Mit Latein kann ich in der ganzen romanischen Welt bestehen. Egal ob Frankreich, Spanien oder Portugal, „vinum“ verstehen alle. Damit kommt mein persönliches Verhältnis zum Ausdruck. Ich habe immer gerne Latein gehabt, und hatte auch immer gute Noten, ganz im Gegensatz zu Sport. Da die Nazis unsere Gymnasien früher umgewandelt hatten in Oberschulen, wurde das Griechische leider abgeschafft. Ich bin froh darüber, daß ich als junger Theologiestudent am Beethoven-Gymnasium in Bonn das großeGraecum gemacht habe. Froh bin ich über zwei Semester Hebräisch, aber davon ist nicht mehr viel übrig geblieben. Mit der Errichtung der Domsingschule in Trägerschaft des Domkapitels haben Sie an die zwölfhunderjährige Tradition der von Karl dem Großen gegründeten Schule angeknüpft. Von Karl dem Großen wird berichtet, daß er sich von den Schülern Texte vorlesen ließ und seinem Mißfallen Ausdruck gabe, wenn ihm die Vortragsweise nicht gefiel. Dr. Müllejans: Die
Domsingschule ist eine private katholische Grundschule für Jungen, die
staatlich anerkannt und in ihren Betriebskosten vom Staat deshalb auch zum
großen Teil refinanziert wird. Dies tut der Staat wegen der
herausragenden kulturellen Bedeutung des Aachener Domchores. Der Aachener
Domchor ist in seiner Tradition ein Männer- und Knabenchor. Deshalb sind
traditionsgemäß keine Frauenstimmen vorhanden, was mit der Frauenfrage
absolut nichts zu tun hat, sondern es geht um die Musik, die für
Knabenstimmen geschrieben worden ist und die hier gepflegt wird. Die
Domsingschule ist eine Grundschule. Die Kinder haben jeden Tag eine Stunde
Musikunterricht, insofern ein Sonderprofil, im übrigen eine ganz normale
Grundschule. In früheren Jahren war sie überlaufen, dann kamen
Krisenzeiten. Seit einigen Jahren haben wir guten Zuspruch und in diesem
Jahr konnten wir leider nicht alle Kinder aufnehmen. In der Tat steht
diese Domsingschule im Dienst auch des Domchores und wir hoffen, daß möglichst
viele Absolventen der Domsingschule in der Schar der Domsingknaben
bleiben. Die allermeisten Schüler sind schon im dritten oder spätestens
im vierten Schuljahr im Domchor. Dies knüpft an die über zwölfhundertjährige
Tradition an. Es ist historisch erwiesen, daß Karl der Große bereits
eine Singschule - Capella Carolina - damals eingerichtet hat für die
feierliche Gestaltung der Gottesdienste am Dom. Karl der Große war sicher
hier engagiert. Über Details gibt es nur legendäre Berichte. Ob er sich
Texte hat vorlesen lassen, ist mir nicht bekannt, auch nicht, ob es darüber
etwas gibt. Man darf sehr wohl vermuten, daß er sich konkret hat
unterrichten lassen. Beweisen kann ich das nicht. Können Sie etwas über das Verhältnis
der Domsingschüler zum Dompropst erzählen? Dr. Müllejans: Einmal sind
ja die Domsingschüler schon teilweise im Domchor. Ich nehme an den
Domchorreisen teil. In der Domsingschule vertrete ich das Domkapitel. Das
Domkapitel ist der Träger dieser Schule. Ich nehme also an den
Schulkonferenzen teil, teils auch an den Lehrerkonferenzen und einige Male
im Jahr besuche ich die Domsingschule. Ich stelle mich dann vor und
versuche bei den Kinder zu eruieren, was nun der Sinn einer solchen
Domsingschule ist und warum sie darin sind. Ich ermuntere sie dann auch
mitzuarbeiten und später das anzuerkennen, was gute Lehrer geboten haben
und dafür zu danken durch die Mitgliedschaft in der Schar der
Domsingknaben und später im Domchor. Das Jahr 2000 steht bevor, eine
Heiligtumsfahrt ist vorzubereiten. Haben Sie dabei ein besonderes Anliegen
in der Vorbereitungszeit, das einer Unterstützung durch viele
ehrenamliche Mitarbeiter bedarf? Dr. Müllejans: Das Jahr 2000 bezieht sich ja nach unserem Glauben auf die Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazareth und ist insofern ein Jubiläumsjahr für die ganze Christenheit. In Aachen trifft sich das besonders gut, weil nach dem jahrhundertealten Turnus in diesem Jahr auch die erste sog. Heiligtumsfahrt nach Aachen stattfinden wird. Der besondere Bezug zum Jahr 2000 besteht darin, daß die Aachener Heiligtümer ja Reliquien sind, genauer gesagt biblische Reliquien, noch genauer Textilien sind, die auf den Ursprung des Christentums einen direkten Bezug haben. Maria gebar ihren erstgeborenen Sohn, wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz war. Wir haben dieses Symbol der Menschwerdung eben in dieser Reliquie erhalten. Diese ist besonders wichtig, weil es in der Bibel heißt „Gott ist uns in Jesus von Nazareth gleich geworden in allem, außer der Sünde. D. h. Jesus war auf das angewiesen, was man früher Windeln nannte und heute Pampers. Man kann darüber zunächst lächeln, aber für mich ist das ein ganz deutlicher Hinweis, daß Jesus nicht im Lamettakleidchen vom Himmel gefallen ist, sondern Sohn einer irdischen Mutter war. Deshalb auch der Bezug auf die
Gottesmutter, die den Mensch gewordenen Gottessohn geboren hat. Das Kleid
Mariens hatte mehr oder weniger die Funktion eines Umstandskleides. Das
Lendentuch des Herrn ist ein Zeichen der Erlösung und insofern gipfelt
die Menschwerdung in der Erlösung durch Tod und Auferstehung des Herrn.
Schließlich ist da noch das Enthauptungstuch Johannes des Täufers, der
erste, der seinen Kopf hingehalten hat für Christus. Das ist auch ein
Appell, daß es nicht nur um die äußere Feier des Jahres 2000 geht,
sondern daß es sich um eine geistliche und geistige Erneuerung geht. Daß
wir Christen zur Besinnung kommen und wir gerade an dieser Wende des
christlichen Jahrtausends überlegen, wie das mit Christentum und Kirche
im Dritten Jahrtausend aussehen wird. Aus diesem Grund hat der Bischof
mich auch beauftragt, die Vorbereitung für das Jahr 2000 nicht nur auf
Aachen zu beziehen, sondern dies im ganzen Bistum zu koordinieren, was ich
mit einer Arbeitsgruppe gerne tue. Hinzu kommt noch, daß im Jahr 2000 Zwölfhundert
Jahre Kaiserkrönung Karls des Großen ist. Wenn man das alles sieht und
die Aufgaben, die auf uns zukommen, sind wir für jede ehrenamtliche
Hilfe, für Ratschläge, Vorschläge, auch für Kritik sehr dankbar. Herr Dompropst, wir danken Ihnen für dieses Interview. (Das Interview führte Martin Fröhlich) |
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